Eine Anfrage kommt mit einer STEP-Datei: ein Halter, PA-CF, zehn Stück, „was kostet das?“. Viele Dienstleister antworten mit Gewicht mal Kilopreis mal Faktor drei. Das geht schnell und stimmt manchmal. Es stimmt nicht mehr, sobald das Teil klein und fummelig ist, lange druckt oder die Maschine die halbe Woche stillsteht.

Ich betreibe selbst FDM-Drucker und unterrichte additive Fertigung. Dieser Artikel zeigt eine Methode, mit der Sie ein Angebot nachvollziehbar aufbauen: Maschinenstundensatz, Material mit Verlusten, Rüsten und Nacharbeit, Mindestauftragswert und Staffel. Alle Zahlen sind ausdrücklich Beispielwerte – setzen Sie Ihre eigenen ein.

Maschinenstundensatz im 3D-Druck berechnen

Der Maschinenstundensatz beantwortet eine Frage: Was kostet es, wenn diese Maschine eine Stunde läuft? Er setzt sich aus den Kosten zusammen, die pro Jahr anfallen, egal ob gedruckt wird, und aus dem, was nur im Betrieb anfällt.

Maschinenstundensatz = (Abschreibung + Wartung + Stellfläche) pro Jahr ÷ produktive Stunden pro Jahr + Energiekosten pro Stunde
  • Abschreibung: Anschaffungspreis geteilt durch die Jahre, die Sie die Maschine realistisch nutzen – nicht die Jahre, die Sie sich wünschen.
  • Wartung und Verschleiß: Düsen, Bauplatten, Riemen, Lüfter, Filter; bei Harzdruckern Tankfolien, bei Pulverbettanlagen Wartungsvertrag und Siebe.
  • Stellfläche: anteilige Miete inklusive Nebenkosten, auch für Trockner, Waschstation oder Auspackstation.
  • Energie: mittlere Leistungsaufnahme im Druck mal Strompreis. Messen Sie mit einem Zwischenstecker, statt die Nennleistung vom Typenschild zu nehmen.
  • Auslastung: die Stunden, in denen die Maschine tatsächlich bezahlte Teile druckt.

Wer mit geliehenem Geld investiert oder seinen Kapitaleinsatz verzinst sehen will, rechnet zusätzlich kalkulatorische Zinsen in den Jahresblock.

Beispielrechnung für einen FDM-Drucker

PositionBeispielannahmeWert
AbschreibungAnschaffung 6.000 €, Nutzung 4 Jahre1.500 € pro Jahr
Wartung und VerschleißErfahrungswert aus dem Vorjahr660 € pro Jahr
Stellfläche2 m² zu 10 € pro m² und Monat240 € pro Jahr
Jahreskosten2.400 €
Fixanteil pro Stunde2.400 € ÷ 2.000 produktive Stunden1,20 €
Energie pro Stunde0,25 kW × 0,32 € pro kWh0,08 €
Maschinenstundensatz1,28 €

Die empfindlichste Größe ist die Auslastung. Ein Jahr hat 8.760 Stunden; 2.000 produktive Stunden sind also schon eine Maschine, die knapp ein Viertel der Zeit bezahlt druckt. Läuft sie im Beispiel nur 1.000 Stunden, steigt der Satz auf 2,48 €. Rechnen Sie mit den Stunden des letzten Jahres, nicht mit der Hoffnung für das nächste.

Material: Verbrauch ist mehr als das Teilgewicht

Der Slicer nennt das Gewicht von Teil und Stützstruktur. Dazu kommen Verluste, die er nicht kennt: Spülmenge beim Materialwechsel, Reste auf der Spule, die für kein Teil mehr reichen, und Fehldrucke. Bei PA-CF gehört auch die Trocknung dazu: Eine Spule, die nicht getrocknet wurde, liefert Teile für die Tonne – und die Trocknerzeit ist Aufwand, den jemand bezahlen muss.

Praktikabel ist ein Zuschlag auf das Slicer-Gewicht, den Sie aus Ihren eigenen Zahlen ableiten: Wiegen Sie einen Monat lang, was Sie einkaufen und was Sie ausliefern. Im Beispiel unten sind es 15 %.

Rüsten und Nacharbeit: die Arbeitszeit, die gern vergessen wird

Maschinenzeit ist im FDM-Druck billig, Arbeitszeit nicht. Bei kleinen Stückzahlen ist die Arbeitszeit oft der größte Block – und genau der fehlt in der Faustformel mit dem Kilopreis.

  • Rüsten, einmal pro Auftrag: Datei prüfen, orientieren, slicen, Material wechseln, Bauplatte vorbereiten, Druck starten und die erste Schicht beobachten.
  • Nacharbeit, pro Teil: von der Platte lösen, Stützen entfernen, entgraten, Gewindeeinsätze setzen, prüfen, verpacken.

Rechnen Sie beides mit einem Personalstundensatz, der Lohnnebenkosten und unproduktive Zeiten enthält. Wenn der Kunde ein Messprotokoll oder eine dokumentierte Prüfung verlangt, ist das eine eigene Position. Was hinter solchen Aufzeichnungen steckt, beschreibt der Beitrag zu ISO 9001 und Rückverfolgbarkeit im 3D-Druck.

Durchgerechnetes Beispiel: zehn Halter aus PA-CF

Annahmen, alle als Beispiel: Druckzeit 3,5 Stunden pro Teil, Slicer-Gewicht 60 g, Materialpreis 80 € pro kg, Personalstundensatz 60 €, Rüsten 30 Minuten, Nacharbeit 6 Minuten pro Teil.

PositionRechnung (Beispielwerte)Betrag
Material10 × 60 g × 1,15 × 0,08 € pro g55,20 €
Maschine10 × 3,5 h × 1,28 € pro h44,80 €
Nacharbeit10 × 6 min × 1,00 € pro min60,00 €
Rüsten30 min × 1,00 € pro min30,00 €
Zwischensumme190,00 €
Fehldruckzuschlag10 % auf Material und Maschine10,00 €
Herstellkosten des Auftrags200,00 €
Zuschlag für Gemeinkosten und Gewinn30 %60,00 €
Angebotspreis netto260,00 €
Preis pro Stück260 € ÷ 1026,00 €

Zwei Dinge fallen auf. Maschine und Material machen zusammen nur 100 € aus, die Arbeitszeit 90 €. Und der Zuschlag von 30 % ist kein Luxus: Aus ihm bezahlen Sie Software, Versicherung, Buchhaltung, die Zeit für Angebote, die nicht zum Auftrag werden – und Ihren Gewinn. Wie hoch er sein muss, ergibt sich aus Ihren Gemeinkosten, nicht aus diesem Beispiel.

Mindestauftragswert und Mengenstaffel

Dieselbe Rechnung für ein einzelnes Teil ergibt 61,10 €: 46,00 € Kosten, 1,00 € Fehldruckzuschlag, 30 % obendrauf. Darin steckt aber noch nicht, dass jemand die Anfrage gelesen, ein Angebot geschrieben, eine Rechnung gestellt und ein Paket gepackt hat. Dafür gibt es den Mindestauftragswert. Legen Sie ihn so fest, dass der kleinste Auftrag seinen Verwaltungsaufwand trägt – im Beispiel 75 €.

StückzahlAuftragspreis netto (Beispiel)Pro Stück
175,00 € (Mindestauftragswert statt 61,10 €)75,00 €
10260,00 €26,00 €
501.144,00 €22,88 €

Die Staffel zeigt, was im FDM-Druck tatsächlich mit der Menge sinkt: der Rüstanteil pro Teil, sonst fast nichts. Druckzeit und Material wachsen linear mit. Von zehn auf fünfzig Stück fällt der Stückpreis deshalb nur noch um gut drei Euro. Ein Mengenrabatt, der darüber hinausgeht, kommt aus Ihrer Marge. Das kann sinnvoll sein, sollte aber eine bewusste Entscheidung sein und kein Reflex.

FDM und Pulverbett: zwei verschiedene Rechnungen

Im FDM-Druck belegt ein Teil die Maschine für seine Druckzeit. Die Kosten lassen sich dem Teil direkt zuordnen: Stunden mal Satz.

Im Pulverbett läuft ein Baujob, in dem viele Teile verschiedener Kunden verschachtelt sind. Die Kosten entstehen für den Job als Ganzes: Maschinenzeit einschließlich Aufheizen und Abkühlen, Pulver, Auspacken, Strahlen. Die Maschinenzeit hängt vor allem von der Bauhöhe ab, kaum davon, ob ein Teil mehr oder weniger in der Schicht liegt. Ein Teil trägt deshalb einen Anteil am Job, üblicherweise nach dem Volumen, das es im Bauraum belegt – oft gemessen an seiner Hüllgeometrie und nicht am Teilvolumen. Kostet ein Baujob im Beispiel 900 € und belegt ein Teil 2 % des genutzten Bauraums, trägt es 18 €, bevor Nacharbeit und Zuschläge dazukommen.

Daraus folgen zwei Dinge. Die Packdichte entscheidet über den Preis: Ein halb leerer Job verteilt dieselben Kosten auf weniger Teile. Und beim Material zählt nicht nur, was im Teil steckt. Unverbautes Pulver altert im Prozess und wird nur zum Teil wiederverwendet; wie viel Neupulver Sie je Job zumischen, kann die Materialkosten stärker bestimmen als das Teilgewicht.

Harzdrucker mit Flächenbelichtung liegen dazwischen: Die Druckzeit hängt an der Höhe, nicht an der Zahl der Teile auf der Plattform. Eine volle Plattform kostet kaum mehr Maschinenzeit als eine halb volle, dafür kommen Waschen und Nachhärten als feste Arbeitsschritte dazu.

Warum eine Preisspanne ehrlicher ist als ein Punktpreis

Die 26,00 € aus dem Beispiel sehen genau aus. Sie beruhen aber auf Annahmen, die vor der Durchsicht des Teils niemand kennt: Wie wird es orientiert? Die Orientierung bestimmt Druckzeit, Stützmaterial und Nacharbeit – und sie richtet sich danach, wo die Last angreift, was der Kunde in der ersten Mail selten schreibt. Welche Flächen sind Funktionsflächen? Muss ein Maß geprüft werden?

Ein Punktpreis vor dieser Klärung ist entweder mit Sicherheitsaufschlag gerechnet und damit zu teuer, oder er wird später korrigiert, was mehr Vertrauen kostet als jede Spanne. Eine unverbindliche Preisspanne – etwa 23 bis 30 € pro Stück, mit dem Hinweis, wovon das obere Ende abhängt – sagt dem Kunden sofort, ob sich das Gespräch lohnt, und Ihnen bleibt Raum für die technische Prüfung. Den verbindlichen Preis nennt danach ein Mensch, der das Teil angesehen hat. Welche Angaben dafür vorliegen müssen, steht im Beitrag Von der Anfrage zum Angebot.

Was sich davon automatisieren lässt

Die Rechnung selbst ist nicht schwer. Mühsam ist, sie bei jeder Anfrage neu aufzusetzen: Datei öffnen, messen, Werte in die Tabelle übertragen, Antwort formulieren. An dieser Stelle setzt Agentic Gateway an, das ich derzeit entwickle. Es ist in der Pilotphase und noch nicht öffentlich verfügbar.

Im aktuellen Entwicklungsstand landen Anfragen aus E-Mail und Kontaktformular auf einem Board mit Antwortfristen. Hängt eine 3D-Datei an (STEP, STL, 3MF oder OBJ), wird sie vermessen und mit Ihrem eigenen Maschinenstundensatz, Ihren Materialpreisen und Ihrem Bauraum zu einer unverbindlichen Preisspanne mit Fertigungshinweisen verrechnet. Eine KI entwirft die Antwort; geprüft und abgeschickt wird sie immer von einem Menschen. Die Kalkulationsgrundlage bleibt Ihre – das Werkzeug nimmt Ihnen das Übertragen ab, nicht die Entscheidung.